Alte Griechin mit der trachtigen Jugend
Alte Griechin mit der trachtigen Jugend

Das sich über der Glut drehende Osterlamm konnten wir ja schon bei unserer Ankunft in Kastraki (siehe diesen Artikel) bewundern. Verkosten durften wir es aber in Arachova. Und was für ein Vergnügen das war! Unsere Reise führte uns bisher in viele Länder, die durch die orthodoxe Kirche geprägt waren und sind. Hier ist der Heilige Georgios (Georg) einer der wichtigsten im Heiligenkanon. Der unter unsäglichen Qualen in der Regentschaft Kaiser Diokletians gefolterte und schließlich ums Leben gebrachte Legionär Georgios (Angaben ohne Gewähr), wird in der Ikonographie meist auf einen weißen Schimmel reitend dargestellt, während er mit einer langen spitzen Lanze einen Drachen das schaurig-böse Herz durchbohrte. Von Äthiopien bis Usbekistan gibt es tausende Kirchen und Klöster, die sich mit seinem Namen schmücken und hunderte wurden auch von uns besucht. Auf Drängen von Jörg, dessen Namenspatron er ja ist, durfte auch in Griechenland der Heilige Georgios nicht fehlen. Und das war auch gut so!

Der Heilige, um den sich alles drehen tut
Der Heilige, um den sich alles drehen tut

Wir machten uns also von Delphi kommend nach Arachova auf, da in diesem kleinen Wintersportort Georgios der Dorfheilige ist und die Hauptkirche nach ihm benannt wurde. Noch dazu war in einer lapidaren Randbemerkung unseres Reiseführers vermerkt, dass zu der Zeit unserer Anwesenheit das Fest des Heiligen und Märtyrers gefeiert wird. Doch so unscheinbar der Reiseführereintrag war, so aufregend war das Fest vor Ort. Alles in allem dauerte die Feier drei Tage, vom Namenstag des Heiligen Georgios bis zum Namenstag des Heiligen Markus (wie passend!). Unsere ersten Bekanntschaften in Arachova waren die sich am Spieß drehende Lämmer, deren heruntertropfendes Fett zischend in Rauch aufging, die wohl einladensten Geruchswölkchen. Der Braten drehte sich wieder, die Gipsy-Combo spielte auf und das Fest konnte beginnen (siehe Video hier).

Ja, he! Auch Rotkäppchen dreht feste mit!
Ja, he! Auch Rotkäppchen drehte feste mit!

Weiter bergauf führte uns die Geruchsspur des knusprigen Lamms. Auf halber Höhe der 620 Stufen zählenden Treppe zwischen Kirche und Dorfplatz wurden wir auch fündig. Einerseits fanden wir Rotwein trinkende Griechen, die das köstlich Lamm durch des Feuers Kraft zur geschmacklichen Vollendung brachten und andererseits die sagenumwobene griechische Gastfreundschaft. Zuerst schauten wir nur mit großen Augen beim Braten zu, doch schon nach wenigen Tropfen Geifers aus unserem Mundwinkeln wurde wir von Theo, im Brotberuf ein hellenischer Postbeamter, auf ein Glas, oder waren es doch mehrere Gläser, Wein eingeladen. Da man aber auf nüchternen Magen nicht zuviel Rebensaft trinken sollte, lud er uns sogleich zu sich nach Hause ein, um mit seiner Familie und Freunden das Gegrillte zu verspachteln. Der zwei Meter lange Spieß wurde zum nahe liegendem Haus gezerrt und das Lamm (nimm hinweg die Sünden der Welt) wurde zweigeteilt und in große Kasserollen gelegt.

Die Zweiteilung des Lamms
Die Zweiteilung des Lamms

In dieser Form wurde es dann auch am Küchentisch neben Griechischem Salat, Brot, Feta und noch mehr Rotwein aufgebahrt. Der Empfang im Haus war nicht nur für das knusprige und zweigeteilte Lamm herzlich, auch wir wurden sehr warmherzig aufgenommen. Die ganze griechische Großfamilie war versammelt. Die Kinder hüpften vergnügt singend am Wohnzimmersofa auf und ab und der alte Großvater lächelte milde, als die beiden Lammhälften filetiert wurden. Zuallererst wurden die krosse Fettschicht unter die Anwesenden geworfen, wobei wir als Gäste gleich einmal die größten Stücke abbekamen. Dann wurde unter freudigem Geplauder und Schmatzen die Fleischstücke herunter geschnitten und verteilt. Die Tische bogen sich unter der Fleischeslast und die Mägen wurden voller und voller. Köstlich! Selten so gut und in so einer angenehmen Stimmung gegessen. Unterhielten uns teilweise auf Deutsch, da einige der anwesenden GriechInnen in Deutschland gearbeitet bzw. gelebt haben. Auf die Frage, ob hier in Griechenland jeden Tag so viel gegessen wird, kam zuerst die Antwort „ Ja, jeden Tag!“. Die aber so gleich von einem anderen korrigiert wurde, in dem er verschmitzt lächelnd hinzufügte „Nicht jeden Tag, alle zwei bis drei Stunden!“. Wird zwar nicht ganz die Wahrheit treffen, aber einen großen Bauchumfang haben sie schon, die Griechen und essen kann bei solchen Köstlichkeiten schon zur Passion werden – wie Griechenland an sich. So saß neben uns ein Amerikaner, namens Roland, der schon seit 20 Jahren hierher kommt und immer zum Fest des Heiligen Georgios bei Theo einkehrt, um mit ihm das Lamm zu verspeisen. Er ist schon derart in die Dorfgemeinschaft integriert, dass er schon die örtliche Tracht tragen darf und Hand in Hand mit den Einheimischen singend, die Kirche umrunden darf.

Der Grieche Theo (vorne) und der Amerikaner Roland (halb verdeckt hinten) beim traditionellen Kirchenumrunden
Der Grieche Theo (vorne) und der Amerikaner Roland (halb verdeckt hinten) beim traditionellen Kirchenumrunden

Das Essen sollte aber nur den Startschuss für die nächsten Tage des Feiern werde. Es ging heiter weiter. Der Regen am zweiten Tag des Festes, der auch die vorgesehene Tanzveranstaltung ins Wasser fallen ließ, machte uns herzlich wenig aus, da am letzten Tag das große Bankett angekündigt war. Das Essen war wieder einmal grandios, doch die Feier stellte dies sogar noch in den Schatten. Am Kirchenvorplatz wurde auf der Wiese am Vormittag eine Art Olympiade abgehalten, bei der sich die Dorfbewohner bei Kugelstoßen, Seilziehen, Steinbrockenheben und ähnlichen maßen. Die Siegestrophäe war, wie konnte es hier anders sein, ein Lämmlein, allerdings noch nicht gegrillt.

Der Bewerb des Kugelweitwurfes
Der Bewerb des Kugelweitwurfes
Die Jury ist nicht so ganz auf den Wettbewerb konzentriert
Die Jury ist nicht so ganz auf den Wettbewerb konzentriert

Nach den sportlichen Ertüchtigungen ging es dann wieder ans Lammverzehren und Rotwein trinken. Wobei zur Verdauung dann endlich zünftig nach griechischer Art abgetanzt wurde. Die Dorfältesten in ihren Trachtenröckchen und Strumpfhosen tanzten im grünen Gras zwischen den Banketttischen (hier das Tanzvideo! unbedingt ansehen!) und gaben mit einem Schuss aus einem sehr altertümlich wirkenden Vorderlader das Startzeichen für die Tanzveranstaltung. Das Jungvolk, schon etwas schneller und beschwingter drehte sich vor der Kirche (Video zum Ringelrein), wobei hier nicht nur Tracht geduldet wurde. Aufgespielt wurde dazu von der örtlichen Holzblasmusikgruppe auf Schalmeien mit Trommelbegleitung. Eine Hetz!

Das Spiel auf der Schalmei
Das Spiel auf der Schalmei
Die örtlichen Trachten
Die örtlichen Trachten
Der Tanz der Dorfältesten
Der Tanz der Dorfältesten
Die Puffn immer dabei
Die Puffn immer dabei
Das Jungvolk tänzelt dahin
Das Jungvolk tänzelt dahin

Zum Abschluss ging es noch ein paar Runden händchenhaltend um die Kirche des Heiligen Georgios, angeführt von der Kapelle und dem bärtigen Priester, bevor es die 620 Stufen hinab zum Dorfplatz ging (siehe Video).

Wenn die Musi spielt ...
Wenn die Musi spielt ...
Die Kirche umrundend
Die Kirche umrundend
Röcke sind sehr beliebt
Röcke sind sehr beliebt
Ein Trachtenfräulein
Ein Trachtenfräulein

In Arachova schnorrten wir uns also kräftig durch, wobei hier sonst allerdings alles sehr teuer ist. Arachova ist der Wintersportort in Greichenland und dies ist noch mehr als bei uns ein teures Vergnügen. So schauten wir nicht schlecht, als wir in einem Lokal für ein großes Bier (es muss ja nicht immer Rotwein sein) sage und schreibe € 7,50 ablegen mussten. Da brennts die aus!

Unser Trip führte uns nun weiter nach Athen zu einer Bekannten von Jörg, der netten Olga. Darauf freuten wir uns noch mehr. Bis dann.

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Im kessen Röckchen
Im kessen Röckchen
Der bärtige Priester und ich
Der bärtige Priester und ich
Abtanzen
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