Israel

Die Festung Masada, das Tote Meer und die Freibadstimmung

Gunti verließ uns in Tel Aviv und machte sich auf den Heimflug ins immer noch winterliche Oschttirol. So blieb uns nichts anderes übrig, die Reise wieder zu zweit fortzusetzen – was auch gut so ist. Von eben Tel Aviv aus fuhren wir mit dem Bus über Jerusalem nach Masada am Toten Meer. Jedesmal, wenn man die Busstationen betreten will, wird man selbst und sein ganzes Gepäck am Eingang durchgecheckt. Entweder mit einem Scanner, wie auf den großen Flughäfen oder eben Rucksack auspacken und alles händisch durchsuchen lassen. Die Israelis und Palästinenser nehmen dies nach all den Jahren schon als Alltäglichkeit hin. Sie stellen sich ohne Murren in die lange Schlange vor den Torscannern, legen ihre metallischen Gegenstände in eine eigene Schale, packen ihr Gepäck in die größen Scanner und verlassen genau beäugt von den Uzi-Maschinenpistolen oder M16-Gewehre tragenden Sicherheitsleuten den Eingangsbereich. Im Busbahnhof und in den Bussen sieht man dann ganze Arsenale von Handfeuerwaffen, meist in den Händen von 18-bis 21-jährigen, die während ihres Militärdienstes gratis busfahren dürfen. Da kann es schon mal vorkommen, dass man direkt in den Lauf eines Sturmgewehrs der Marke TAR-21 blickt undes ist nicht angebracht daran zu denken, ob nicht vielleicht doch einer der Wehrdienstleistenden mit dem hohen psychischen Druck der auf seiner Schulter gleich neben dem Gewehr hängt nicht fertig wird. Ein ganzer Staat also unter Waffen. Auch bei Schulausflügen werden die Kinder von in normalen Klamotten gekleideten Sicherheitspersonal begleitet. So gesehen im En Gedi-Nationalpark, wo laut lärmende und lachende Kinder vorausgehen und hinten drein zwei Männer im T-Shirt sowie je einer Mini-Uzi umgehängt nachgehen.

Na, wenn es schon so viel um Militärisches geht, dann wollten wir uns mal den wohl wichtigsten Ort für das soldatische Selbstverständnis der Israeli, die Festung Masada anschauen. Diese liegt ca. 400 Meter oberhalb des Toten Meeres und somit fast auf Meeresniveau. Diese in den 30er Jahren vor Christi-Geburt durch Herodes I. errichtete Anlage galt als uneinnehmbar – bis die Römer zuschlugen. Masada liegt auf einem Plateau, welches gänzlich mit dicken Mauern umgeben war. Im Inneren befanden sich große Vorratsräume und alle Gebäude, die für eine längere Belagerung von Nöten waren. Doch während des jüdischen Aufstands gegen die Römer, hatten die über 900 Zeloten gegen die 15.000 römischen Krieger keine guten Karten. Die Festung wurde belagert und eine Geröllrampe bis zur Mauer am Plateau aufgeschüttet. In dieser aussichtslosen Lage beschlossen die Verteidiger von Masada nicht in die Hände der Römer fallen zu wollen und lieber als freie Menschen zu sterben. So wurden 10 Männer auserkoren, die alle anderen umbringen sollten und dann ein letzter, der bevor er sich selber das Leben nahm, die anderen Neune vom Leben zumTod beförderte. Die Römer fanden dann nur mehr Grabesstille und Berge von Leichen vor. Dieser unbedingte Wille zur Freiheit wird symbolisch auch von der israelischen Armee benutzt und die neuen Rekruten müssen in der Festung von Masada ihren Schwur ableisten. Wie wir oben waren, war von den schwörenden Soldaten nichts zu sehen und so trieben wir uns zwischen den Ruinen herum und genossen die grandiose Aussicht zum Toten Meer und dem Judaäischen Gebirge (Rundblickvideo von der Festung Masada aus).

Blick von Masada Richtung Totes Meer
Blick von Masada Richtung Totes Meer
Im Hintergrund die steil abfallenden Hänge zum Toten Meer Graben
Im Hintergrund die steil abfallenden Hänge zum Toten Meer Graben
Ehemaliges Römerlager am Fuße von Masada
Ehemaliges Römerlager am Fuße von Masada
Ich im alten Badehaus in der Festung
Ich im alten Badehaus in der Festung
Ruinen am Plateau
Ruinen am Plateau

Natürlich muss man als Israel Reisender auch im Toten Meer baden. Das Baden ist aber auf Grund des hohen Salzgehaltes (das 10fache von den wirklichen Meeren) und des dadurch bedingten großen Auftriebs mehr ein Treiben. Ist schon ein seltsames Gefühl, mit aus dem Wasser herausgestreckten Armen und Beinen an der Oberfläche zu bleiben. Man fühlt sich wie in einen Liegestuhl aus lauter Wasser und dies noch am tiefstgelegenen Gewässer der Erdkruste. Mit minus 400 Meter unter Meeresniveau habe ich meinen persönlichen Tiefstpunkt erreicht.

Das Salzwaser trägt mich
Das Salzwaser trägt mich

Weiter fuhren wir zum wohl meistbesuchtesten Nationalpark beim Ort En Gedi. Hunderte Schulklassen werden hier täglich mit Bussen hergekarrt und die Kinder laufen dann lärmend und schreiend zu den Wasserfällen. Begleitet immer von Waffentragenden Männern, die in Zeiten des brüchigen Friedens ein seltsames Gefühl von Sicherheit vermitteln sollen. Unterhalb der Wasserfälle befinden sich kleine Becken, in denen die kleinen Racker sich so richtig austollen könne. Meist mit ihrem Gewand bekleidet, springen sie ins kalkig weiße Wasser und bespritzen sich johlend gegenseitig. Auf der Suche nach etwas Ruhe begaben wir uns einen Abhang hinauf zu einem flachen Plateau. Beim Raufwandern hinter uns blickend, sahen wir eine Szenerie wie in einem Freibad. Hunderte Kinder sprangen im Wasser auf und ab, vor lauter Freude dabei grölend und ab und zu schreite ein Aufseher „Springen vom Beckenrand verboten“ (Video – siehe hier). Wir entspannten uns derweilen bei der En Gedi-Quelle und hielten unsere Füße ins lullewarme Quellwasser. Herrlich! Nur ein paar Vögel kamen geflogen und zwitscherten Lieder zum Relaxen. Ebenso Stille , wenn nur für wenige Minuten, fanden wir beim großen Wasserfall. Hier konnte man sich gut vorstellen, wie damals der junge Held David und seine Mannen vor König Saul Zuflucht gesucht haben, in den vielen Höhlen dieses schönen Tales.

Badende Kinder im "Freibad"
Badende Kinder im
Der große Wasserfall
Der große Wasserfall
Ah, Füße baden
Ah, Füße baden
Ausblick vom En Gedi-Plateau
Ausblick vom En Gedi-Plateau
Der Schulwandertag
Der Schulwandertag
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