Israel

Jerusalem, Gunti und die Monotheisten

Amman in Jordanien benutzten wir nur als Umsteigepunkt vom Bus in ein Taxi, um von eben diesen zur Grenzstation Hussein-Bridge nahe den bestetzten Gebieten des Westjordanlandes gebracht zu werden. Als Vorgabe galt für unseren Grenzübertritt, dass wir weder einen Ausreisestempel von Jordanien, noch einen Einreisestempel von Israel in unseren Pässen hineingedrückt bekommen wollten. Dies, da wir uns noch überlegen nach Syrien zu reisen. Syrien lässt aber niemanden ins Land, der irgendwie und irgendwann einmal das Gelobte Land betreten hat. Die Strategie war klar und die Umsetzung konnte beginnen. Dem Zöllner des Haschemitischen Königreichs Jordanien konnten wir überzeugend darlegen, dass wir in Israel nur kurz bleiben und wieder nach Jordanien zurückzukehren gedenken. Damit unser jordanisches Visa nicht hinfällig wird, mussten wir auf einen  Post-it eine Stempelmarke aufkleben und behördlich abstempeln lassen. Erste Hürde genommen. Mit einem Bus ging es über den Jordan zur Grenzstation nach Israel. Hier wurde gleich einmal klar, dass Israel in einem jahrzehntelangen Ausnahmezustand lebt. Unzählige pickelgesichtige Mädchen und Burschen stecken in der olivgrünen Uniform des Militärs, lassen lässig ihre Maschinengewehre um die Schulter baumeln und kontrollieren alles und jeden. Checkpoint folgt auf Checkpoint. Israel zählt ja zu den wenigen Ländern, in denen auch Frauen der Wehrpflicht unterliegen. Zwar „nur“ zwei statt der „normalen“ drei Jahre, aber es ist schon seltsam so viele Frauen, in den, im Vergleich zu den Männern, mehr figurbetont-geschnittenen Uniformhosen zu sehen. So fuhren wir also von den verschleierten Frauen in den arabischen Ländern zu den (ver)uniformierten Frauen nach Israel.

So eine hübsche Wehrdienstleistende stellte uns dann auch einen ganzen Fragenkatalog mit eingebauten Wiederholungen, die die gegebenen Angaben nochmals überprüfen sollten und wir bekamen unseren Einreisestempel auf einem Extrazettel, also nicht in unsere Pässe. Mission „Einreise in Israel“ erfüllt. Ab nach Jeruschalajim. Der Weg dorthin führt durch die besetzten Gebiete der West Bank, vorbei an von Stacheldrahtzäunen umgebenen Siedlungen der Israeli und endete im arabischen Osten von Jerusalem.

Das Kidrontal mit Blick auf den großen jüdischen Friedhof außerhalb der Altstadt Jerusalem
Das Kidrontal mit Blick auf den großen jüdischen Friedhof außerhalb der Altstadt Jerusalem

Hier trafen wir auch Gunti aus Lienz, ein sehr guter Freund und Reisekollege von Jörg, der uns eine Woche begleitete und lukullische Grüße aus Österreich mitbrachte. Natürlich eine original-fidele Speck- und Würsteljause sowie mit Zigeunerklee versetzem Bauernbrot. Nach der ersten von Judith mitgebrachten Jause wieder einmal ein ganz auserlesenes Mitbringsel. Mahlzeit und Danke. Wer einmal im herrlichen Osttirol Camping-Ferien verbringen will, der ist gut beraten, sich am Campingplatz von Gunti bei Lienz niederzulassen (siehe Webpage).

Jörg drückt Gunti
Jörg drückt Gunti

Als nunmehrige Dreifaltigkeit, wie passend in Jerusalem, zogen wir um die Kirchen, Moscheen und Synagogen. In Jerusalajim, der heilgen Stadt, sind auf engsten Raum Heiligtümer der drei großen monotheistischen Weltreligionen bei- und aufeinander gebaut. Da alle drei Religionen an ein und den selben Gott glauben, sind Konflikte aller erdenklichen Art vorprogrammiert und bis dato scheinbar unüberbrückbar. Ein Anlass für ständigen Unfriede und Krieg ist natürlich der Tempelberg. Oben thront die Al-Aqsa-Moschee und der Felsendom, als drittwichtigste Heiligtümer des Isalm; am Fuße des Tempelberges steht die Klagemauer, als der Ort, der dem zerstörten Tempel mit dem Allerheiligsten des Judentums, der Bundeslade, am nächsten ist/war. Das Plateau des Tempelberges ist für Juden allerdings nicht zu betreten.

Der Zugang ist allerdings für alle Besucher eine Geduldsprobe. Zur Klagemauer gelangt man erst nachdem man mehrere Schleusen und Perlustrierungen hinter sich gebracht hat. Zum Felsendom kommt man nur in einem Zeitfenster von zwei Stunden pro Tag durch einen Holzsteg, der ebenso stark abgesichert ist, wie der Zugang zur Klagemauer.

Die Klagemauer und die güldene Kuppel des Felsendoms
Die Klagemauer und die güldene Kuppel des Felsendoms
Die frühere Westmauer des Plateaus des zweiten Tempels
Die frühere Westmauer des Plateaus des zweiten Tempels
Al-Aqsa-Moschee
Al-Aqsa-Moschee
Der Felsendom
Der Felsendom
Der Felsendom mit den Inschriften aus dem Koran und dem Glaubensbekenntnis
Der Felsendom mit den Inschriften aus dem Koran und dem Glaubensbekenntnis

Aber Versöhnung zwischen dem Judentum und dem Islam ist schwer genug. Aber auch zwischen den christlichen Kirchen gibt es ständig Streit, vor allem um die Grabeskirche am Ende der Via Dolorosa. Den Kirchenraum teilen sich die römisch-katholische, die koptische, die griechisch-orthodoxe, die syrisch-orthodoxe, die armenische und die äthiopisch-orthodoxe Kirche. Der Platz ist begrenzt und jeder will sein Stück Heiligkeit für sich, so dass es immer wieder zu Schreiduellen und Handgreiflichkeiten unter den Mönchen und Priesetern kommt. Da die verschiedenen Kirchen das Auf- und Zusperren der Grabes- oder Auferstehungskirche nicht der jeweils anderen überlassen wollten, ist dafür eine muslimische Familie zuständig. Im Inneren der Kirche herrscht ein ständiges Gewusel von Touristengruppen und von langbärtigen Mönchen in schwarzen wallenden Gewändern, die mit ihrem Weihrauchschwenker von Altar zu Altar laufen und die Bilder mit süsslichen Schwaden zudecken. Gleich beim Eingang steht der Fels Golgatha, der mit silberbeschmückten Ikonen und Kandelabern ausgeschmückt ist. Die wohl wichtigste Aufgabe der Mönche ist die Besucherhorden zu gewissen Zeiten aus den heiligen Bereichen zu verscheuchen, damit sie ihre Lobpreisung des Herrn in Ruhe vollführen können (Video zum Mönchsgesang).

Der nicht mehr originalgetreue Stein, auf dem Jesu nach der Kreuzabnahme niedergelegt wurde
Der nicht mehr originalgetreue Stein, auf dem Jesu nach der Kreuzabnahme gesalbt wurde
Ich illuminiert am BergGolgotha
Ich illuminiert am Berg Golgatha
Altar in der Grabeskirche vor der Weihraucheinräucherung
Altar in der Grabeskirche vor der Weihraucheinräucherung

Mit Freddy war ich schon mal vor 14 Jahren in Jerusalem. Innerhalb der Stadtmauern hat sich baulich genau nichts verändert. Die selben engen Gässchen, die mit Kalksteinplatten ausgelegt sind, die niedrigen Häuser mit den kleinen Geschäften und das allzu geschäftliche Treiben im arabischen Viertel. Außerhalb der dicken Stadtmauern ist das Bild ein anderes. Da wurden neue Hochhäuser und Wohnsiedlungen aus dem Boden gestampft. Das moderne Jerusalem wächst und kommt einer westlichen Metropole schon sehr nahe. Nach den arabischen Städten, die wir die letzten Monate bereist haben eine feine Abwechslung. Endlich mal ruhig im Kaffeehaus ein Heißgetränk zu sich nehmen, den Frauen beim Flanieren über die Fußgängerzone nachschauen und mal gescheid ein oder zwei Bierlen tschechern. Hat auch gut funktioniert, da gerade Purimfest war und da wird ordentlich abgefeiert.

Auffallend war, dass man viele äthiopische Gesichter sieht. Wahrscheinlich Gläubige aus dem Norden Äthiopiens, die von dort, nach ihrer Anerkennung als Juden, nach Israel gebracht wurden und nun so seit Mitte der 80er Jahre im Heiligen Land ihre Heimat gefunden haben. Beim ersten Aufenthalt in Israel besuchten Freddy, Tina und ich die damals noch in Container-Siedlungen lebenden Falascha (Tina hat, so glaube ich, sogar ihre Doktorarbeit darüber geschrieben). Damals war ich sehr beeindruckt, dass die Polygamie dort erlaubt war und sie sich darüber mokierten, nicht zum israelischen Heer gehen zu dürfen. Beim Heer sind sie, wie ich gesehen habe. Wie es mit der Polygamie gehalten wird, sollte noch herausgefunden werden.

Eine Kirche am Berg Zion besuchte ich noch, die Kirche Mariä Entschlafung. In der unteren Kapelle soll Maria nach der Himmelfahrt Christi und der Erfüllung mit dem Heiligen Geist hier gelebt haben und auch gestorben sein. Neben einer Skulputur, die Maria beim Entschlafen zeigt, gibt es drei Altarnischen, eine von Ungarn, eine von Österreich und eine von der Elfenbeinküste gestaltet. Die österreichische Nische trägt neben der Jahreszahl der Stiftung noch die merkwürdige Inschrift „Der Altar, dessen Widmung auch von dem ….. österreichischen Heldenkanzler Dr. Engelbert Dollfuss freudig begrüßt wurde …“. Heldenkanzler (?!) Engelbert Dollfuß, der Begründer des austrofaschistischen Ständestaats – Seltsam, aber so steht es geschrieben.

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Maria entschlafen
Maria entschlafen
Der Össi-Altar nebst der entschlafenden Maria
Der Össi-Altar nebst der entschlafenden Maria
Inschrift zur freudigen Begrüßung des Heldenkanzlers
Inschrift zur freudigen Begrüßung des Heldenkanzlers

Bei uns gehts weiter zum See Genezareth und zum Rabbi Ohad, ein Bekannter vonJörg und Gunti. Ich freu mich und weiteres folgt in diesem Magazin.

Hier aber noch ein paar Eindrücke zu Jerusalem:

Kinder beim Purimfest
Kinder beim Purimfest
Vorplatz zur Klagemauer
Vorplatz zur Klagemauer
Klagemauer
Klagemauer
Detail zum Felsendom
Detail zum Felsendom
Kuppel in der Grabeskirche
Kuppel in der Grabeskirche

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