Aegypten

Sinai, Dahab, das Tauchen und die schoene Judith

Mit einem der motormarodesten Busse der aegyptischen Fernverkehrflotte fuhren wir von Luxor ab nach Scharm el Sheikh am Sinai. Wie uns die sehr langsame Fahrgeschwindigkeit schon am Anfang verriet, wuerde die vom Fahrer versprochene Fahrtdauer von 14 Stunden auf keinem Fall einzuhalten sein. Mit 50 km/h Vollgeschwindigkeit zockelten wir also zuerst Richtung Rotes Meer nach Hurghada und dem Meer entlang zum Suez-Kanal. Sobald es ein wenig aufwaerts ging, machte sich zuerst ein beissender Motorengeruch breit und dann musste auf der Steigung mehrmals angehalten werden, um dem mueden Motor mal eine Verschnaufpause zu goennen. So bildeten wir ein Verkehrshinderniss, welche schwerstbeladene LKWs muehelos ueberholen konnten und unser Bus, so kam es uns vor, wurde vom oertlichen Pensionistenheimausflug in ihren Rollstuehlen ohne weiteres hinter sich gelassen. Aus den 14 Stunden wurden also 19 Stunden im Bussitzen und ich war schon aufgeregt, da ich ja ein Date mit Judith am Flughafen in Scharm el Scheikh hatte und die Zeit, wie ein Wassereis in meinen Haenden dahinschmolz.

Eine Stunde musste die liebe Judith am Flughafen warten bis ich endlich dort sein konnte und dabei mehrmals vom Sicherheitspersonal verscheucht werden. Aber das Warten zahlte sich aus. Schwer bepackt mit unseren Bestellungen (die Nachschubwege fuer unsere Reise funktionieren) und mit einem breiten Laecheln konnte ich sie mal fest druecken.

Das Taxi fuer die Weiterfahrt nach Dahab hatten wir schon beim Busausstieg organisiert. Wobei die Taxifahrer hier ziemliche Schlitzohren und ungute Typen sind. Der Fahrpreis war ausgemacht, aber bei der Fahrt zum Flughafen hielt der Taxifahrer unvermittelt mitten in der Wueste und wollte auf einmal die Haelfte des Fahrpreises mehr haben. Egal, nahmen wir halt in Kauf. Am Flughafen verlor der Taxifahrer aber die Nerven und wollte ueberhaupt nicht mehr mit uns fahren und lud unser Gepaeck aus. So bekam Judith gleich nach ihrer Ankunft einen Vorgeschmack auf aegyptische Verhandlungstaktik und wir warteten zwei verschiedenen Taxler ab, bis wir endlich einen vernuenftigen Preis aushandeln konnten. So fuhren wir durch die karge vegetationslose Landschaft des Sinai mit seinen schroffen roetlich-braunen Bergmassiven, die ab und an durch gruenliche Gesteinseinschluss-Streifen durchzogen werden, nach Dahab.

Vor 14 Jahren war ich hier schon mal mit Tina und Freddy auf einen kurzen Aufenthalt waehrend unseren damaligen Israel-Aufenthalt. Diese 14 Jahre Tourismus haben allerdings ihre Spuren in Dahab hinterlassen und der Ort war fuer mich nicht mehr wiedererkennbar. Die ehemals geschotterte Uferpromenade ist gepflastert, es reiht sich ein Restaurant, mit ins Lokal zerrenden Hustlern, ans andere, die Kamele und Pferde sind gegen Quads ausgetauscht worden, gepoffelt wird nicht mehr und der gute Kaffee ist durch Nescafe ersetzt worden. Aber es ist immer noch sehr chillig und gemuetlich zum Abhaengen, vor allem jetzt, da die Hauptsaison langsam zu Ende geht. Was wir natuerlich hier machen wollten, ist das Handwerk des Tauchens zu erlernen. Dies stellt bei den Unmengen an Tauchschulen und den herrlichen Korallenriffen kein Problem dar.

Judith war am Anfang ein wenig skeptisch, da sie beim Tauchen im Hallenbad immer Schmerzen im Kiefer hatte. Aber nach einem Intro-Dive auf 18 Meter mit voller Ausruestung und Lungenautomat im Mund, konnten diese Bedenken zum Glueck zerstreut werden und der open water course konnte beginnen.

Nach drei Tagen des fruehen Aufstehens, der taeglichen zwei Tauchgaenge und intensiven Studiums des Paddy-Videos und der Lernunterlagen konnten wir beide den Kurs als open water diver bravorous abschliessen. Gratulation vor allem an Judith, die von ihrer 50 Stunden Arbeitswoche in Wien gleich wieder im Urlaub die Schulbank mit mir drueckte.

Das Tauchen war natuerlich nicht nur lernen, es war/ist vor allem eine wunderbare Sache, eine neue Welt unter Wasser zu entdecken und viel von der laehmenden Erdanziehungskraft an der Wasseroberflaeche zurueck zu lassen. Die Korallenriffe hier in Dahab sind aber auch ein herrlich buntes Biotop. Die festsitzenden in violett, orange, gruen und allen anderen Farben schimmernden Korallen mit ihren in der Stroemung sich bewegenden Auslaeufern und die bizarren Felsformationen sind ein Augenschmaus. Die ebenso bunten Fische bilden hier teilweise dichte Schwaerme, an denen man mit seiner Tauchausruestung vorbeitreiben kann und so durch ein farbenfroh-getupfeltes Wasser schwimmt. Gestreifte Fische verstecken sich in den Einbuchtungen der abgestorbenen Korallenfelder, groessere Fische ziehen, mit sich staendig oeffnenden und schliessenden Maul, ihre Kreise und der Octopus zieht seine saugnapfbewehrten Tentakel ein, wenn man naeher ran taucht. Zu hoeren ist das Blubbern der ausgeatmeteten Luft und diese Blaeschen blubbern vor der Taucherbrille vorbei wie Seifenblasen. Meist ueber mir gleitete dann Judith, mein Tauch-Buddy, dahin, wobei ich dann beim Aufschauen in ihrem Haar die glitzernden Luftblaeschen zaehlen konnte und das Zeichen fuer „Alles O.K.“ mit den Fingern zeigte. Wirklich ein lohnendes Erlebnis das Tauchen.

Nicht nur, dass Judith hier war und ich mit ihr, statt wie sonst mit Joerg (ist auch schoen, aber schon auf Grund des gleichen Geschlechtes nicht das Selbe) ein Zimmer teilen konnte, sondern sie brachte uns auch eine Original Kaerntner Jause mit. Dank geht hier auch an die Familie Steinwender, die uns liebenswerterweise damit beschenkt hat.

Das Tauchen, Abhaengen und Romantisieren war nicht alles. Um einen Kontrast zur Unterwasserwelt herzustellen, gingen wir am Samstag zum Katharinen-Kloster und auf dem Mount Sinai. Das griechisch-orthodoxe Katharinen-Kloster war allerdings sehr ueberlaufen und man konnte nur einen kurzen Blick auf den angeblich „Brennenden Dornbusch“ werfen. Gott soll sich dort Moses offenbart haben und lichterloh, ohne sich selbst zu verbrennen, in Flammen gestanden haben. Brennen tut heutzutage nichts mehr, ausser die Wunden an den Fingerkuppen der Touristen, die versuchen die dornenbewehrten Zweige als Mitbringsel abzureissen.

Ueber eine von einem Moench angelegten Steintreppe mit tausenden Stufen erreicht man nach zweistuendigen Aufstieg den Mount Sinai oder Moses Berg. Hier soll dem Alten Testament nach Moses die Zehn Gebote direkt von Gott erhalten haben (wo diese heute sind, wurde noch nicht von mir herausgefunden, moeglicherweise in Axum/Aethiopien – siehe diesen Artikel). Am ca. 2.300 Meter hohem Gipfel weitet sich eine wunderschoene Berglandschaft aus. Tief zerfurchte Berge ohne irgendeiner Vegetation, nur in roetlichem Braun gehalten und eine tiefblauer Himmel, durchzogen mit faedrigen Wolkenfetzen, geben ein eindrucksvolles Bild ab. Trotz des kalten Windes hielten wir es dort oben mehrere Stunden aus und konnten als Staerkung fuer den Abstieg unseren Speck und Hirschenwuersteln aus Kaernten verzehren.

Sonntag war dann endlich dem Ausspannen und Nichtstun mit Judith gewidmet, da sie am Montag wieder nach Wien zurueckflog. Alles Schoene geht leider zu Ende, aber die eine Woche mit ihr war eine Zeit, die mir in Erinnerung bleiben wird und in der ich wunderbare Erlebnisse der Zweisamkeit hatte. Danke dir liebste Judith fuer deinen Besuch und viel Kraft fuer die kalte Winterzeit in Wean.

So werde ich mich wieder der Reise mit meinem Gefaehrten Joerg widmen, die uns nun nach Jordanien fuehren wird.

Video am Mount Sinai mit Wind und Judith

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Vollgepackter Aufbruch von Luxor
Vollgepackter Aufbruch von Luxor
Judith und ich beim Abhaengen
Judith und ich beim Abhaengen
Im Neopren-Outfit fertig fuer die weitere Tauchausruestung
Im Neopren-Outfit fertig fuer die weitere Tauchausruestung
Das Katharinenkloster am Fusse des Mount Sinai
Das Katharinenkloster am Fusse des Mount Sinai
Der brennende Dornbusch des Moses
Der brennende Dornbusch des Moses
Judith und ich am Weg zum Mount Sinai
Judith und ich am Weg zum Mount Sinai
Die Bergwelt des Sinai
Die Bergwelt des Sinai
Judith und Joerg beim Aufstieg
Judith und Joerg beim Aufstieg
Die Speckjause am Berg der Zehn Gebote
Die Speckjause am Berg der Zehn Gebote
Der Bergwelt der Judith
Der Bergwelt der Judith
Joerg schlaeft auf seinem Felsvorsprung im Sonnenschein
Joerg schlaeft auf seinem Felsvorsprung im Sonnenschein
Abhaengen am Rotem Meer
Abhaengen am Roten Meer
Drei in Dahab
Drei in Dahab

4 Kommentare

  • schwesterchen

    Hallo Brüderchen!
    Hoffe es geht euch „3“ gut nach der entspannenden Woche. Habt sie euch echt verdient.
    Ich glaube nach der Brettljausen habt ihr euch einwenig wie zu Hause gefühlt.Gebt zu, es gibt nichts besseres.
    Ach ja! Hat anscheinent geholfen das Alex zu dir gebetet hat. Waren zwar keine 0 Fehler aber 2 ist auch super. Manuel sollt nicht mehr aufhören zu beten. Ich glaut ich brauch dir nichts weiter erzählen.So! nun noch mal alles Gute auf eurem weiteren Weg.
    Andrea Bernd Manuel Alexander und Tobias

  • judith

    lieber markus,

    wenn man die einstündige wartezeit am flughafen mit 3 multipliziert entspricht sie auch der realität. mit allem anderen bin ich sehr einverstanden 🙂
    die wunderbaren fotos zu betrachten wecken die schönsten erinnerungen. das video kannte ich gar nicht…
    ich wünsch euch eine gute weiterreise und freu mich auf den nächsten besuch!
    lg aus aus wean!

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